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9. Sonntag n. Trinitatis - Gaben einsetzen

Texte für die Andacht und den Gottesdienst

Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.
Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen;
von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich.
Ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde.
Du aber, HERR, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden;
lass deine Güte und Treue allewege mich behüten.

Eines Tages sprach der HERR zu mir: »Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt, um mir allein zu dienen. Du sollst ein Prophet sein, der den Völkern meine Botschaften verkündet.« Ich aber erwiderte: »O nein, mein HERR und Gott! Ich habe keine Erfahrung im Reden, denn ich bin noch viel zu jung!« Doch der HERR entgegnete: »Sag nicht: Ich bin zu jung! Zu allen Menschen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen und ihnen alles verkünden, was ich dir auftrage. Fürchte dich nicht vor ihnen, ich bin bei dir und werde dich beschützen. Darauf gebe ich, der HERR, mein Wort.« Er streckte mir seine Hand entgegen, berührte meinen Mund und sagte: »Ich lege dir meine Worte in den Mund und gebe dir Vollmacht über Völker und Königreiche. Du wirst sie niederreißen und entwurzeln, zerstören und stürzen, aber auch aufbauen und einpflanzen!«

(Wenn ein anderer meint, er könne sich aufs Fleisch verlassen, so könnte ich es viel mehr, der ich am achten Tag beschnitten bin, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer, nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen.)

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott kommt durch den Glauben. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder und Schwestern, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

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Kurzandacht

Finden Sie einen Ort für sich allein oder für mehrere, an dem Sie in den nächsten Minuten gut sein können. Wenn Sie mögen: Stellen oder legen Sie ein Kreuz vor sich hin und zünden eine Kerze an.

Einstimmung in das Thema des Sonntags / der Woche
„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ – so stimmt uns der Spruch der Woche für die Zeit ab dem 9. Sonntag nach Trinitatis ein und fordert uns auf, einmal genau hinzusehen. Auf das, was ich alles habe, aber auch auf das, was ich alles kann. Oft beklage ich mich ja, dass mir dieses und jenes fehlt. Oder ich blicke neidvoll auf den Anderen, der alles so viel besser kann als ich. Beim Wochenspruch denke ich an einen anderen Satz: Aus großer Kraft folgt große Verantwortung. So feire ich diese Andacht im Namen Gottes, den ich glaube als Vater und Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Bibeltext: Jeremia 1,4-10 (Hoffnung für Alle)

Lied der Woche: EG 397 „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr“

Impuls
Ich bin doch viel zu jung. Oder: ich bin doch viel zu alt, zu dick, zu dünn, zu unbegabt.

Solche Sprüche kenne ich gut, habe ich diese selbst doch ab und an benutzt, um zu signalisieren: ich kann das (noch) nicht. Nicht nur Kinder benutzen solche Sätze, um zu sagen, dass sie etwas nicht machen können. Auch wir Erwachsenen sprechen solche Sätze manchmal.

Mit Jugendlichen arbeiten? Dafür bin ich doch zu alt. Sich engagieren? Dafür bin ich viel zu beschäftigt. Ehrenamtlich arbeiten, vielleicht sogar vor anderen reden? Das kann ich doch gar nicht! Endlos könnte man diese Liste weiterführen. Zu jeder Aufforderung findet man schnell Gründe, warum man dies oder das nicht machen kann. Und diese Gründe sind gar nicht vorgeschobene Ausreden, sondern Ausdruck dessen, dass man es sich vielleicht einfach nicht zutraut. Neuland zu betreten fällt in jedem Alter und in jeder Situation nicht ganz einfach.

Im Ersten Testament, der hebräischen Bibel, finden sich dafür viele Beispiele. Schon Mose antwortete dem brennenden Dornbusch, dass er dem, was Gott da fordert, niemals gerecht werden kann.

Gott beauftragt Menschen zu allen Zeiten, aber meist hört er die immer gleiche Antwort: Ich kann nicht, denn: ich bin zu dick, zu dünn, zu alt, zu jung, zu nervös, zu stark eingebunden und so weiter.

Und wenn wir nur auf uns schauen, dann ist das auch total plausibel. Jeder Mensch hat nur ein bestimmtes Maß an Zeit, Begabung, Freizeit und mehr, das er aufbringen kann. Völlig verständlich, wenn man dann nicht gleich jubelnd loszieht und alles erledigt, was andere einem auftragen. Und wenn Gott ruft? Auch dann finden wir meist sehr plausible Gründe, um erst einmal auszuweichen. So wie Jeremia ja auch.

Gott weiß uns trotzdem zu befähigen:

„Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“

Wo Gott etwas von uns will, da hilft er uns auch. Da machen wir das alles gar nicht aus eigener Kraft, sondern unsere Kraft kommt von dem, der uns sendet.

Es geht ihn dabei gar nicht darum, die Menschen, die eh schon begnadet sind, zu berufen.

Das wäre ja ein leichtes: den Kantoren zum Orgelspiel zu überreden, oder den Redner zum Sprechen.

Gott möchte aber alle Menschen berufen. Auch die, die erst einmal keine Ahnung von der Materie haben, oder die sich klein und unbedeutend fühlen, so wie Jeremia.

Gott beruft nicht nur die Begnadeten, er begnadet aber immer die Berufenen: die, die Gott für diese oder jene Aufgabe gesucht und gefunden hat, nicht unbedingt die, die das eh schon können.

Man sieht an der Geschichte von Mose, was dieser alles geschafft hat. Eigentlich wollte er auch nicht, weil er meinte er könne nicht gut reden. Dann aber schafft er es mit Gottes Hilfe ein ganzes Volk aus der Gefangenschaft zu befreien und in das Land zu führen, das Gott ihnen versprochen hatte. Ein wenig schwerer hatte es Jeremia in seinem Leben, aber auch hier zeigt sich: Gott war mit ihm und hat ihn unterstützt und ihm geholfen. Und ist es nicht toll, wenn man weiß, dass Gott die Menschen, die er findet, auch begleitet und ihnen hilft?

Aus uns allein kann so eine Kraft nicht kommen. Aber wo der Herr die Menschen unterstützt, die er gesucht und gefunden hat, da können Dinge geschehen, die kein Mensch für möglich gehalten hat. Weil dann nicht unsere Kraft reichen muss, die wir uns immer wieder einteilen müssen. Da dann nicht mehr gilt: ich bin zu alt, zu jung, zu dick, zu dünn, zu unbegabt.

Stattdessen hilft Gott uns, die Aufgaben, die er uns gibt, auch durchzuführen. Da wird der Senior zum Jugendmitarbeiter und merkt, dass das selbst jung hält. Die Jugendliche hilft in der Gemeinde und merkt, dass sie auch die älteren Menschen begeistern kann. Oder der, der sich nicht traut im Gottesdienst zu reden, bekommt Engelszungen und die Predigt wird ein voller Erfolg.

Wenn man nur erst mal nicht auf seine eigenen begrenzten Fähigkeiten blickt, sondern trotz aller Bedenken loszieht, um Gottes Auftrag zu erfüllen, dann zeigt sich dabei auch immer Gott selbst, der unterstützt, lenkt und seinen Segen gibt.  Amen.

Gott hat einen Auftrag an uns alle und der heißt: erzählt von mir. Amen

Fürbitten und Vaterunser
Gott, ich sehe mich nicht immer in der Lage, deinen Willen in die Tat umzusetzen. Viel zu oft fallen mir dann Ausreden ein. Oder ich verhalte mich dann so, als ob ich dich überhaupt nicht gehört habe. Ja, manchmal ist es nämlich genau das, was mich von dir trennt: Ich höre nur, was ich hören will. Weil ich immer davon ausgehe, dass ich nur eingeschränkte Fähigkeiten besitze. Wie gut, dass du mich aber immer wieder ansprichst und mir Aufgaben zumutest, zu denen ich wirklich in der Lage bin. Sonst würdest du sie mir gar nicht geben. Denn immerhin: Du hast mich gemacht und weißt von meinen Fähigkeiten. Darum bete ich zu dir mit den Worten deines Sohnes: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
So bitte ich um Gottes Segen. Für mich und für die anderen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Verweilen Sie noch einen Moment in der Stille.

Dann: Löschen Sie die Kerze und gehen wieder ihrem Tageslauf nach.

Letzte Änderung am: 15.07.2020